Workshop-Angebot für Patenfamilien

Diana van de Vijfeijken
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Die Stiftung SEMBRES ermöglicht Kindern aus ärmeren Familien die Finanzierung ihrer Ausbildung, indem sie in Zusammenarbeit mit Pro Pomasqui Patenschaften in der Schweiz vermittelt. Da die Familien der Patenkinder neben finanziellen oft auch noch mit anderen Herausforderungen zu kämpfen haben, hat die Stiftung obligatorische Workshops für sie eingeführt.

Diese finden alle zwei Monate statt, behandeln aktuellen Themen und werden meist von einer externen Fachperson geleitet. Dabei werden die drei Zielgruppen Kinder, Jugendliche und Eltern unterschieden. Während bei den Kindern gemeinsame Erlebnisse und der Spass im Vordergrund stehen, geht es bei den Jugendlichen und Eltern hauptsächlich um den Lernfaktor. Welche Themen behandelt werden, wird aus Beobachtungen und Gesprächen mit den Familien heraus entschieden. Wiederkehrende Themen sind Alkohol- und Drogenkonsum, Mobbing, Ernährungsverbesserung und Diabetes, Familienplanung und psychische Gesundheit.

Workshop

Eine Kursteilnehmerin hält ihre Gedanken zum Thema Suizid fest.

Diesen Donnerstag war es wieder soweit und der Veranstaltungsraum war gefüllt mit Eltern von Patenkindern. Das Thema des Workshops war psychische Gesundheit mit Fokus auf Suizid. Dieses Thema hat momentan grosse Bedeutung: Seit der Corona-Pandemie haben Depressionen und panische Ängste zugenommen. Dazu kommen die erhöhte Kriminalität und die Arbeitslosigkeit, die momentan in Ecuador herrschen. Alles zusammen hat die Suizidrate ansteigen lassen, wovon leider auch einige Patenfamilien betroffen waren.

Der Workshops hatte zum Ziel, den Eltern aufzuzeigen, wie wichtig die mentale Gesundheit ihrer Kinder ist, und zu vermitteln, wie sie psychische Probleme frühzeitig erkennen und damit umgehen können. Aus verschiedenen Gründen sind Kinder und Jugendliche aus ärmeren Familien stärker depressions- und suizidgefährdet. Das oft weniger stabile Familienumfeld, häusliche Gewalt, Geldprobleme, mangelnde Privatsphäre und Hygiene sind mögliche Auslöser. Auch sind sie in der Schule häufiger Opfer von Mobbing.

Der Workshop wurde von zwei Psychologinnen geleitet, mit denen die Stiftung schon einige Male zusammengearbeitet hat. Zu Beginn wurden die Teilnehmenden gebeten, alles, was ihnen zum Thema Suizid einfällt, auf einem grossen Blatt zu sammeln. Trotz des Tabuthemas waren die Teilnehmenden sehr aktiv und trugen viele Informationen zusammen. Zwischen den verschiedenen Inputs hatten die Psychologinnen immer wieder kleine Bewegungsübungen eingebaut, die Körper und Geist aktiv behielten.

Workshop

Bewegungsübungen halten das Publikum aktiv.

Die Workshops kommen grösstenteils sehr gut bei den Teilnehmenden an. Nach dem Workshop meint Gloria, Mutter einer Patentochter: "Suizid ist momentan auf jeden Fall ein wichtiges Thema, weil wir oft mit Problemen kämpfen. Manchmal tragen wir viel Schmerz in unseren Herzen. Ich habe viele schwierige Situationen erlebt und hier können wir darüber sprechen."

Sie hat viel Neues erfahren: "Ich habe gelernt, wie wichtig es ist, mit meinen Kindern zu sprechen. Früher war ich eher verschlossen. Manchmal haben mich meine Kinder gefragt: "Mama, was ist los? Warum weinst du?" Aber ich konnte mich nicht überwinden, mit ihnen zu reden. Ich hatte Angst davor, mich ihnen anzuvertrauen. Doch heute habe ich gelernt, dass es wichtig ist, offen zu sein, zu fragen und sich auszutauschen. Ich nehme wertvolle Gedanken mit, um sie mit meinen jüngsten Töchtern zu teilen - für Gespräche, die ich mit meinen drei älteren Töchtern nie geführt habe. Jetzt, für meine beiden jüngeren Töchter, möchte ich das anders machen."

Sie bedankt sich herzlich bei der Stiftung SEMBRES für den heutigen Workshop: " Ich fühle mich sehr glücklich und gehe mit offenem Herzen. Ich trug einige Sorgen in mir, aber heute konnte ich mich öffnen. Entschuldige, dass mir die Tränen kommen - aber es bedeutet mir viel. Ich danke euch sehr dafür. Vielen Dank."