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03.04.2019 08:34 Age: 137 days

April 2019: Interview mit dem Leiter Umwelt: Edwin

Erfahren Sie im Interview mit Edwin Quinchiguango, dem Leiter der Umweltprojekte der Stiftung SEMBRES, wie er sich mit seiner Arbeit für die Umwelt engagiert und inwiefern durch Umweltbildung Veränderungen erreicht werden.

 

Von Mari Ruhstein

 

Hallo Edwin, vielen Dank, dass du dir Zeit für dieses Interview nimmst. Kannst du als erstes einmal dich und deine Arbeit hier in der Fundación präsentieren?

 

Edwin: Ich heiße Edwin Quinchiguango und ich arbeite hier in der Fundación seit zehn Jahren im Umweltbereich. Meine Arbeit besteht aus Schulungen für Firmen und Bildungsstätten, der Leitung des Recyclingprojektes „MIRS“, der Bekanntmachung unseres Angebots, dem Erstellen von Rechnungen und Aushändigen von Umweltzertifikaten.

 

Wie hast du die „Fundación SEMBRES“ kennengelernt?

 

Die Fundación habe ich vor zehn Jahren über eine Anzeige im „Comercio“ (größte Zeitung in Quito) kennengelernt, in der jemand für die Umweltbildung gesucht wurde. Ich bin dann also insbesondere für die Umweltbildung gekommen, denn es war immer meine Stärke, anderen Menschen zu zeigen, was wir für die Umwelt tun können.

 

Wie läuft ein typischer Tag in deiner Arbeit ab?

 

Also, ein Tag in meiner Arbeit ist immer unterschiedlich. Heute habe ich zum Beispiel morgens eine Fortbildung in einer Schule gegeben, danach habe ich unsere Dienstleistungen neuen Firmen angeboten, dann habe ich Zertifikate an Firmen geschickt und ausstehende Zahlungen eingeholt. Morgen plane ich, am Vormittag Recyclingmaterial einzusammeln und danach kommen Kinder, die die Fundación auf Grund der Umweltbildung besuchen.

 

Mittags muss ich dann auf jeden Fall zu ein paar Firmen fahren, deren Zahlungen für unsere Dienste fällig sind. Diese Dienste beinhalten, dass wir ihren Bio-Abfall einsammeln, wofür sie uns bezahlen müssen. Was ich also mache ist, dass ich an einem der ersten Tage jeden Monats eine Rechnung aufstelle, die dann am Ende des Monats abgerechnet wird. Dadurch können das Personal und alle sonstigen Ausgaben des Projektes finanziert werden.

 

Und was magst du an deiner Arbeit am liebsten?

 

Was mir am meisten gefällt, sind Schulungen, bei denen ich vielen Personen beibringen kann, wie sie etwas für die Umwelt tun können. Das gefällt mir sehr. Dabei sollten wir aber nicht das Recyclingprojekt „MIRS“ vergessen, dank dem diese Schulungen überhaupt möglich sind. Dort ist die Arbeit schwieriger: Wir müssen den Firmen jeweils erklären, warum sie uns dafür bezahlen müssen, dass wir ihren Abfall einsammeln.

 

Kannst du bitte kurz die unterschiedlichen Umweltprojekte vorstellen?

 

Die unterschiedlichen Projekte sind Wiederaufforstung, Umweltbildung und das Recyclingprojekt „MIRS“. Im Aufforstungsprojekt organisiere ich vier Aktivitäten im Jahr, mit unterschiedlichen Firmen. Ich mache ihnen ein Angebot für unsere Dienste und dem entsprechenden Preis, um zum Beispiel Schluchten, Parks oder den Berg „Casitagua“ aufzuforsten.

 

Unser Ziel ist, dass sie uns mit Mitteln unterstützen, die es uns erlauben, unser Projekt zu erhalten. Wir binden sie aber auch in Umweltbildungsaktivitäten ein. Die Kosten für sie sind nicht hoch, denn hier in Ecuador ist es schwer, die Firmen verstehen zu lassen, was wir für die Umwelt machen. Wenn die Kosten zu hoch sind, entscheiden sie sich oft dafür, gar nichts zu tun. Deshalb sind die Kosten niedrig, aber trotzdem haben unsere Einnahmen uns geholfen, das Projekt so zu erhalten.

 

Und was genau ist das Umweltbildungsprojekt?

 

Dieses Projekt beinhaltet, dass ich in unterschiedliche Stadtteile zur Gemeinde und zu Firmen gehe und ihnen beibringe, ihren Abfall so zu handhaben, dass dieser nicht in Schluchten, Flüssen oder unbebauten Gebieten landet. Denn hier in Ecuador werden mehr als 70% der Abfälle an diesen Orten entsorgt. Außerdem machen wir in Bildungsstätten Theateraufführungen sowie Puppentheater, wobei uns die Theatergruppe der Fundación hilft.

 

Wir lehren sie auf diese Art, die Umwelt zu pflegen, die Artenvielfalt beizubehalten, zu recyceln und keine wilden Tiere zu töten. Und wir haben einen „Bildungspfad“, auf dem Schülerinnen und Schüler lernen, Umweltverschmutzung zu vermeiden. Sie lernen dort auch Recycling sowie die Wiederverwertung bestimmter Materialien kennen, wie zum Beispiel aus Eimern und Reifen Blumentöpfe herzustellen.

 

Wer arbeitet im Umweltbildungsprojekt?

 

In diesem Projekt arbeite ich und manchmal noch eine zusätzliche Person, wenn besonders grosse Gruppen zu Besuch kommen. Normalerweise sind in den Gruppen 50 bis höchstens 70 Personen, aber zurzeit kommen auch Gruppen von fast 200 Kindern. Ausserdem gibt es die Theatergruppe, welche von Freddy Salazar geleitet wird.

 

Freddy arbeitet mit vier oder fünf Schauspielern, um ein Theaterstück zu entwickeln. Die Theaterstücke sind je nach Jahreszeit immer unterschiedlich. In der Weihnachtszeit wird das Theaterstück zum Beispiel angepasst, und vor den langen Ferien auch, da es in dieser Zeit viel Jagd auf wilde Tiere gibt. Dann versuchen wir jeweils, dieses Verhalten durch unser Theaterstück zu verhindern.

 

Was ist das Ziel dieses Projekts?

 

Das Ziel der Umweltbildung ist, jede Generation weiterzubilden. Das Problem hier in Ecuador ist, dass die Regierung kein Bewusstsein dafür hat, dass Kindern der Umgang, Schutz und Respekt vor der Umwelt beigebracht werden muss. Wir als Stiftung haben es also nicht so leicht. Deshalb sind wir immer daran, Schulungen zu geben. Unser Ziel ist es, jährlich mindestens 3‘000 bis 4‘000 Personen zu schulen. Allein im Bildungspfad hier in der Fundación erwarten wir dieses Jahr 1‘500 Kinder.

 

Hast du Pläne für die Zukunft dieses Projektes?

 

Wir sind immer dabei, die Umweltbildung weiterzuentwickeln. Unser hauptsächlicher Plan ist aber, weiterzumachen wie bisher: Da der ecuadorianische Staat in der Schule keine Umweltbildung berücksichtigt, sind private Bildungsstätten und Stiftungen wie wir dafür verantwortlich, in diesem Bereich Bildung anzubieten. Wenn wir damit aufhören würden, würden wir alles verlieren, was wir uns über die letzten Jahre erarbeitet haben.

 

Möchtest du sonst noch etwas hinzufügen?

 

Wenn es um Umweltbildung geht, denke ich, dass sie für alle Generationen wichtig ist. Sie ist der erste Schritt dazu, dass weniger Abfall hinterlassen, Wälder abgeholzt oder wilde Tiere gejagt werden. All dies wird uns helfen, in Zukunft eine bessere Lebensqualität zu haben.

 

Vielen Dank, Edwin!