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28.10.2017 10:53 Alter: 233 days

Oktober 2017: Interview mit einem Urgestein: Don Octavio

Ein kurzes Interview mit Don Octavio, der seit der Gründung der Stiftung SEMBRES im Recyclingprojekt MIRS arbeitet. Wir sprechen über seinen Weg vom Projekt „Arbol solitario“ bis zum Recyclingprojekt MIRS. Er erzählt uns, was seine Tätigkeiten sind und wie er zu SEMBRES kam.

 

Von Silvan Haag

 

Es ist Samstagmorgen. Ich sehe von der Dachterrasse der Volontärswohnung aus, wie Don Octavio die Becados (Patenschaftsempfänger) für ihren halbtätigen Arbeitseinsatz hier in der Fundación SEMBRES einweist. Es macht richtig Spass, ihm zuzuschauen, wie er dies mit grosser Begeisterung tut. Noch nie habe ich ihn in meiner Zeit hier mit einer ernsten Miene gesehen. Auch die Becados, die heute hier aushelfen, lassen sich von seiner guten Laune anstecken.

 

Nach Beendigung der Einweisung winkt er zu mir hoch und fragt, ob wir das Interview machen könnten, das ich letzte Woche angesprochen habe. Dankbar, dass wir endlich die gemeinsame Zeit gefunden haben, öffne ich ihm die Tür. Bei einem Kaffee beginnt er, begeistert von seinem Start in der Stiftung zu erzählen.

 

Silvan: Danke vielmals, dass Sie sich die Zeit genommen haben, um Ihre Geschichte mit mir und somit auch allen Interessierten in der Schweiz zu teilen.

 

Don Octavio: Danke an euch für diese Gelegenheit! Sie wollen wissen, wie ich hier begonnen habe? Die Kompostiereinrichtungen, die jetzt ersetzt werden, die habe ich gebaut. Deswegen bin es nun auch ich, der sie ersetzt. Und oben auf dem Hügel war ich seinerzeit dabei, um die Bäume zu pflanzen und das Gebiet um den „Arbol solitario“ neu aufzuforsten.

 

Silvan: Sie leben ja ziemlich nah von diesem Gebiet. Sind Sie dadurch zur Fundación gekommen?

 

Don Octavio: Ja, genau. Bevor ich zur Arbeit hier kam, habe ich mit meinem Vater ein wenig Landwirtschaft betrieben. Wir hatten einen Hof mit etwas Land. Wir haben zusammen sehr viel gepflanzt, deswegen arbeite ich hier auch im Umweltprojekt viel mit Pflanzen.

 

Silvan: …so gut es möglich ist! Es ist ja ziemlich anspruchsvoll, in dieser Höhe und vor allem in der Trockenzeit viel anzupflanzen und zu pflegen...

 

Don Octavio: Ja, klar. Wir machten es, so gut es ging. Es war vor allem während der Regenzeit, während der wir säten und das Gemüse wuchs. Jetzt ist ja Sommer, und somit ist alles sehr trocken. Das heisst, die Pflanzen trocknen aus und es ist schwierig, sie zu erhalten.

 

Silvan: Wie kamen Sie zur Fundación SEMBRES?

 

Don Octavio: Einige Arbeiter haben uns gesagt, dass sie gerne Bäume pflanzen möchten. Ich konnte ihnen helfen, das ganze Gebiet auf dem Hügel wieder aufzuforsten. So führte dann eins zum anderen, und als das Recyclingprojekt gegründet wurde, konnte ich dort weiterarbeiten. Und ja, ich habe die Arbeit dann weitergeführt und jetzt bin ich hier, und hoffe, das bleibt noch lange so.

 

Silvan: Genau, das hoffen auch wir! Ich habe gehört, dass Sie einen langen Arbeitsweg haben. Wie legen Sie ihn zurück und wie lange sind Sie unterwegs? Und wie sieht ein typischer Tag von Ihnen aus?

 

Don Octavio: Ja, ich wohne oben in Uyachul. Um hierher zu kommen, versuche ich meist mit jemandem im Auto mitzufahren, dann benötige ich etwa eine Viertelstunde. Aber ich muss halt warten, bis jemand vorbeifährt. Es hat fast keine Autos dort oben, deswegen stehe ich um 4.30 Uhr auf, um sicher rechtzeitig hier zu sein. Mein Arbeitstag beginnt meist um 7.30 Uhr und endet um 16.30 Uhr. Es gibt auch Tage, an denen ich länger arbeite. Diese Überstunden werden dann ausbezahlt.

 

Meist arbeite ich im Recyclingprojekt mit, wo wir drei Mal die Woche mit dem Lastwagen eine Sammeltour machen. Oder ich arbeite in der Recyclinghalle, wo wir mit den Becados zusammen Abfall sortieren, um ihn dann verkaufen zu können. Zwei Mal die Woche arbeite ich jeweils am Morgen mit den Pflanzen, z.B. im Gewächshaus die Tomatenstränge hochbinden oder Pflanzen giessen. Wenn es keine Arbeit im Recycling hat, arbeite ich hier auf dem Gelände in den Umweltprojekten mit, z.B. jetzt die Kompostiereinrichtungen neu machen, den Lehrpfad pflegen etc.

 

Silvan: Welcher Teil Ihrer Arbeit macht Ihnen momentan am meisten Spass?

 

Don Octavio: Zurzeit mache ich alles gerne. Mir gefällt das Recyclingprojekt sehr gut, und auch mit Pflanzen zu arbeiten macht mir Spass. Ich mag die Abwechslung sehr. Eine Zeit lang hat mir das Recyclingprojekt besser gefallen, aber jetzt finde ich es toll, auch manchmal im Umweltprojekt zu arbeiten.

 

Silvan: Wie sehen Sie die nächsten Jahre? Bleiben Sie der Stiftung SEMBRES noch einige Zeit erhalten?

 

Don Octavio: Ich glaube, ich werde bald mal ein bisschen weniger arbeiten. Ich spüre schon, dass ich altershalber nicht mehr so fit bin wie früher, und es ist schon eine anstrengende Arbeit. Auch habe ich zuhause einige Projekte, an denen ich arbeite, und deswegen werde ich schauen, dass ich die Arbeit hier vielleicht ein wenig herunterfahren kann. Nicht von heute auf Morgen, aber mit der Zeit muss ich schon ein wenig nachdenken, wie es weitergeht.

 

Silvan: Besten Dank, dass Sie sich Zeit genommen haben und uns einen sehr spannenden Einblick in Ihr Leben gegeben haben. Ich glaube, Sie machen ihre Arbeit hier sehr gut und sie wird auch sehr geschätzt. Möchten Sie noch etwas zum Abschluss sagen?

 

Don Octavio: Nein danke, ich glaube, ich habe so ziemlich alles gesagt. Ich arbeite sehr gerne hier und wenn es jetzt heissen würde, du gehst jetzt nach Guayaquil (rund 300 km von Pomasqui entfernte Küstenstadt) arbeiten oder sonst wo, dann würde ich das auch machen.


 

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