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06.04.2017 14:44 Alter: 229 days

April 2017: Besuch vom Zivildienstverband

Gregor Szyndler, Verantwortlicher für die Zeitschrift «Le monde civil» des Schweizer Zivildienstverbands, war in Pomasqui zu Besuch. Lesen Sie, welche Eindrücke er vom Projekt mitnahm.

 

 

Als Zivi am Äquator: Ein Besuch bei einem Zivi in den Anden. – Reportage von Gregor Szyndler

(Quelle: www.civiva.ch, Link zum Heft "Le monde civil" vom Dezember 2016/Artikel auf S. 6)

 

Pomasqui, ein paar Kilometer nördlich von Ecuadors Hauptstadt Quito. Busse ziehen schwarze Rauchfahnen in Richtung Mitad del Mundo – zum Äquator. Ein riesiges Neubaugebiet, planlos auf die Hügelzüge geklotzt. Pomasqui verzettelt sich irgendwo zwischen Stadt und Dorf, verliert sich im Umland. Cedric Erb bestätigt meinen Eindruck, als er mich mit dem Pickup abholt.

 

«Das ist sehr schnell gewachsen in den letzten 15 Jahren.» Cedric Erb ist gelernter Landschaftsgärtner und zur Zeit meines Besuchs in den letzten Wochen seines Zivildiensts. Seit einem halben Jahr arbeitet er für den Verein Pro Pomasqui. Es ist sein letzter Einsatz als Zivi. Einfach war es nicht, für den Ecuador-Einsatz zugelassen zu werden. Cedric brachte aber einen guten Mix aus Fähigkeiten und Kenntnissen mit. Und Ausdauer. Bereits vorletztes Jahr bemühte er sich um diesen Zivi-Einsatz – vergeblich. Zu dieser Zeit war schon ein Zivi dort. Man ermunterte ihn, es wieder zu versuchen. Cedric reiste privat nach Ecuador, lernte Land und Leute kennen und vertiefte sein Spanisch. Bis es ein Jahr später klappte mit dem Einsatz.

 

Jetzt fahren wir ins Gebirge. Es ist Zeit für die «Kontrollbesuche» bei den von Pro Pomasqui unterstützten Familien. Cedric mag das Wort «Kontrollbesuche» nicht, aber es läuft darauf hinaus. Pro Pomasqui unterstützt Familien mit Kindern im Schulalter finanziell. Um sicherzugehen, dass das Geld für die Schulbildung ausgegeben wird, gibt es regelmässige Besuche.

 

Ich frage zweimal, ob es in Ordnung sei, wenn jemand Fremdes beim Gespräch dabei sei. Cedric und seine Kolleginnen Silvana und Olivia bejahen. Also setze ich mich mit aufs Sofa und erlebe, wie der elfjährige Sohn der Familie, ein Fussballfan, nennen wir ihn Lionel, Red und Antwort steht. Cedric erkundigt sich nach seiner Familie, der Gesundheit und den Finanzen seiner Eltern sowie nach den Schulbus-Preisen. Wie ein Familienoberhaupt sitzt Lionel da, wirkt nie verlegen, immer ernst, selten wie ein Kind seines Alters. Seine Eltern arbeiten, also muss er die Aufgabe übernehmen. Lionel weiss, was es heisst, Verantwortung für die Familie zu übernehmen. Als ich ihn auf die vielen Fussballpokale anspreche, die auf Hochglanz poliert herumstehen, blüht er auf. Und staunt, als ich ihm über Cedric ausrichten lasse, dass ich null Ahnung von Fussball habe. Er findet es lustig, dass jemand daherkommt und solche Fragen stellt, ohne Ahnung zu haben von Fussball oder Spanisch.

 

Die Besuche von Cedric und seinen Kolleginnen dienen auch dazu, herauszufinden, wo den Leuten der Schuh drückt (Lionel vermisst den Zivi-Vorgänger von Cedric, der die Kinder in Musik unterrichtete). Cedric wird jedoch auch eingebunden, wenn es um die Entscheidung geht, ob Familien, die sich um Unterstützung bewerben, sie bekommen sollen. Seine Überlegungen werden genauso beachtet wie die seiner Kolleginnen und Kollegen. Solche Entscheide verlangen gutes Gespür und genaues Hinhören – Dinge, die Cedric später in der Schweiz beruflich weiterverfolgen will. Vom Landschaftsgärtnern hat er genug. Er freut sich auf seine Umorientierung in Richtung eines sozialen Berufes. Praktische Erfahrungen kann er dann bereits vorweisen.

 

Die meiste Zeit seines Einsatzes arbeitet Cedric aber im Recycling-Projekt. Hier sortiert er Müll, gärtnert in der Setzlingszucht oder verbessert den Komposthaufen. Das ist kein einfaches Unterfangen. Viele Einheimische werfen Fleisch und Plastik auf den Grünabfall. Um bereits Schulkinder, aber auch deren Eltern für die Umwelt zu sensibilisieren, gibt es hier einen Umweltlehrpfad, der sich steil ansteigend durchs Gelände zieht und Pflanzen präsentiert und Informationen zu Themen wie Böden oder Grundwasser. Auch hier ist Cedric gefragt.

 

Insgesamt arbeiten zwanzig Leute für Pro Pomasqui (fast alles Einheimische, plus Freiwillige und ein Zivi) – etwa an den Schulen mit Mittagstisch, wo die Kleinen um 12 Uhr mit ihrem Geschirr klappern (Cedric isst hier jeweils; seltener hilft er aus). Ein ansteckenderes «Buenos dias» als nach meinem «Hola» habe ich kaum je gehört. Genau so wenig ein so fröhliches Lachen, als ich mit «Buenas noches!» antworte und ein wenig schnarche. Die Kleinen lachen im Dutzend, bevor sie weiter plappern und klappern. Cedric muss nicht mehr übersetzen.


Legende:

Bild 1: Lionels Grossmutter, Silvana, Olivia, Cedric, Lionel und der Schreibende


 

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