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06.04.2017 14:43 Alter: 229 days

April 2017: Schul- und Kindergartenerlebnisse

Als Volontärin durfte Olivia Hässig einige Schulen in Pomasqui besuchen und in den Kindergärten der Fundación Sembrar Esperanza unterrichten. Dabei erkannte sie einmal mehr, wie wichtig die Unterstützung durch die Patenschaften ist.

 

 

Von Olivia Hässig

 

Nach den langen Sommerferien begann anfangs September wieder die Schule. Ein grosses Ereignis, an dem auch ich als Volontärin teilnehmen durfte. Ich begleitete die Mitarbeiterin der Fundación Sembrar Esperanza, Silvana Ivonne Pallo Minango in verschiedene Schulen von Pomasqui und in die beiden von der Fundación gegründeten Kindergärten.

 

Dabei war die Idee, mit einigen Schülern, welche Paten in der Schweiz haben, ein kurzes Video aufzunehmen, in dem sie sich bei ihnen für ihre Unterstützung bedankten. Denn die Paten leisten mit ihren Spendengeldern eine grosse Hilfe während der Schul- und Ausbildungszeit der Kinder, die doch einige Kosten mit sich bringt. Bücher, Hefte und Schreibmaterial werden benötigt, ebenso die in Ecuador übliche Schuluniform. Auch für den Transport fallen Kosten an, kommen doch wegen dem oft weiten Schulweg viele der Schüler mit dem Bus zum Unterricht. Alles Ausgaben, die zwingend anfallen und für die nicht jede Familie einfach so aufkommen kann.

 

Mit den genannten Spendengeldern werden auch die beiden Kindergärten der Stiftung mitfinanziert. Somit ist es für viele Eltern möglich, ihr Kind in einem dieser Kindergärten unterzubringen, wo sie nebst einer professionellen Betreuung, einem abwechslungsreichen Stundenplan und gesunder Verpflegung auch viel Platz zum Spielen haben.

Dies ist nicht selbstverständlich im Vergleich mit den öffentlichen Kindergärten, die mit 20 Dollar pro Monat zwar am wenigsten verlangen, jedoch auch bedeutend weniger bieten. Wer also die Möglichkeit hat, sein Kind in beste Obhut zu geben, nutzt diese gerne.

 

In der Umgebung gibt es noch weitere private Kindergärten, allerdings kosten diese meist über 100 Dollar monatlich und sind damit für viele nicht erschwinglich. Dass die Fundación den Besuch der Kindergärten „Nuevo Miguelito“ und „Violanta y Werner“ für 55 Dollar im Monat anbieten kann, ist somit ein wertvolles Angebot.

 

Ich war selbst einige Monate in beiden Kindergärten tätig, um die Kinder, die zwischen 2 und 5 Jahre alt sind, zu unterrichten und durfte somit auch miterleben, wie abwechslungsreich sich der Tag für die Kinder gestaltet.

 

Um 8 Uhr beginnt jeweils der Unterricht. Kompetente Lehrpersonen bieten ein lehrreiches Programm, das den Kindern Spass macht. Es wird gesungen, getanzt und gebastelt. Die Kinder lernen Wichtiges zur Natur, über Tiere, unser tägliches Leben. Sogar Englisch wird mit ihnen geübt, da dies zum obligatorischen ecuadorianischen Lehrplan gehört. Die Kinder erhalten zu allen Themen Arbeitsblätter zum Ausmalen, Ausschneiden und Aufkleben. Wissen wird so spielerisch und kreativ vermittelt.

 

Um 9 Uhr kommen die stets gutgelaunten Köchinnen erstmals zum Einsatz: Es gibt für alle ein leckeres Frühstück. Ebenfalls erhalten die Kinder um 10 Uhr eine frische Frucht und um 12 Uhr ein nahrhaftes  Mittagessen. Somit sind die Köchinnen den ganzen Morgen beschäftigt, kulinarisch für die Kinderschar zu sorgen.

 

Nebst dem Unterricht in den Klassenzimmern wird mit den Kleinen auch im Freien viel unternommen. Der Spielplatz mit seiner Rutschbahn und den Schaukeln wird von allen sehr gerne genutzt. Auch Seilspringen, Ball- und Fangspiele und Tänze gehören regelmässig zum Programm. Dass die Kinder dabei Spass haben, ist an ihren strahlenden Gesichtern und dem lauten Lachen und Rufen unschwer zu erkennen.

 

Nach dem Mittagessen treten die meisten Kinder dann bereits den Heimweg an. Einige werden allerdings noch bis um 16 Uhr im Kindergarten bleiben, da ihre Eltern arbeiten und sie ihre Kinder daher erst später abholen können. Dies ist ein weiterer Vorteil gegenüber den öffentlichen Kindergärten, die nur bis 12.30 Uhr geöffnet sind.

Somit bleibt Zeit den Kindern Zeit für einen erholsamen Mittagsschlaf, der nach dem aktiven Morgen auch gerne genutzt wird. Nach dem Aufstehen wird nochmals etwas gespielt, bis die Eltern ihre Kinder abholen kommen.

 

Meine Aufgabe war es, mit den Kindern zu malen und zu basteln. Als gelernte Töpferin fiel es mir nicht schwer, den Unterricht kreativ zu gestalten. Mit so kleinen Kindern zu arbeiten war allerdings Neuland für mich. Ich war deshalb gespannt, was mich erwarten würde.

 

Schon am ersten Tag wurde ich von einer frohen Kinderschar begrüsst, mit lautem „Profe (Lehrerin) Olivia“ und herzlichen Umarmungen. Dieses Empfangsritual genoss ich danach jeden Tag und schloss die Kleinen sofort ins Herz.

 

Nun ging es ans Unterrichten. Ich hatte alles schön vorbereitet und erwartete, dass mir alle artig zuhören weüden. Dass dem nicht so ist, musste ich ziemlich rasch feststellen. Lebhaft und dementsprechend laut ging es im Klassenzimmer zu und her. Die Lehrpersonen kannten dieses Szenario wohl bereits bestens und haben allesamt eine kräftige Stimme entwickelt. Mit ihrer Hilfe kehrte rasch Ruhe ein, und dann konte ich den Unterricht beginnen.

 

Dass die Kinder Spass am kreativen Schaffen haben, war offensichtlich. Denn wenn man schon Wasserfarbe und Leim auf dem Pult hat, um ein schönes Kunstwerk zu kreieren, warum nicht gleich sich selber auch noch anpinseln, oder mit Leim die Hände zusammenkleben? Das macht doch erst richtig Spass! So entpuppte sich der Unterricht stets als wahres Abenteuer für Klein und Gross. Die Mühe wurde jedoch schlussendlich stets mit glücklichen Kindergesichtern und hübschen Kunstwerken belohnt. So sind in diesen vergangenen Wochen, Schildkröten aus Ton, Sandbilder, farbenfrohe Fische aus Kartontellern, buntbemalte Schmetterlinge, Schlangen und Blumen entstanden.

 

Was mir ebenfalls gleich auffiel, war, wie bunt die Kindergärten gestaltet wurden. Die Wände sind allesamt farbenfroh bemalt und mit Zeichnungen geschmückt. Es wird viel Wert darauf gelegt, den Kindern ein hübsches Umfeld zu bieten. Nebst dem Spielplatz auf der grossen grünen Wiese gibt es auch viele Blumen und sogar ein paar Tiere, wie etwa ein flauschiges Kaninchen und schnatternde Enten. Damit auch stets alles schön instand bleibt, wurde vor den Sommerferien einiges neu bemalt und renoviert. Sogar die Kleinen durften mithelfen und hatten ihren Spass, die alte Tapete von den Wänden zu entfernen.

 

Es war für mich ein tolles Erlebnis, den Kindergartenalltag aktiv zu erleben und fand es spannend, einen Einblick in die Schulen zu erhalten. Nebst zahlreichen schönen Erinnerungen mit den Kindern werde ich auch nie vergessen, wie am ersten Schultag alle Schüler in Reih und Glied auf dem Schulplatz versammelt die Nationalhymne von Ecuador sangen. Das war ein Schauspiel!

 

Legende:

Bild 1: Na wenn das keine schönen Blumen sind!

Bild 2: Mit Wasserfarbe, Strohhalm und kräftigem Pusten entstehen richtige Kunstwerke.

Bild 3: Der kleine Künstler zeigt uns stolz seine prächtige Papierschlange.

Bild 4: Basteln mit den Kindern – „Schaut her mein bunter Fisch!“

Bild 5: Die Kinder haben ihren Spass beim Tapetenwechsel des Klassenzimmers.

Bild 6: Die Schüler verfolgen aufmerksam den Unterricht.

Bild 7: Besammlung auf dem Schulplatz, wo die Nationalhymne gesungen wird.


 

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