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20.10.2016 16:35 Age: 3 yrs

Oktober 2016: Eine Videobotschaft von Ihrem Patenkind

Mit Patenschaften aus der Schweiz wird ein wertvoller Beitrag zur Verbesserung der Lebenssituation zahlreicher Familien in Ecuador beigetragen. Bisher dankten die Kinder ihren Paten stets mit einem Brief. Nun soll der Dank noch persönlicher werden mittels einer kurzen Videoaufnahme.

 

 

Von Olivia Hässig

 

 

Mit über 200 Patenschaften aus der Schweiz darf die Fundación Sembrar Esperanza zurzeit Kinder aus benachteiligten Familien unterstützen. Jeweils einmal pro Woche werden um die vier davon in ihrem Zuhause besucht.  Als Volontärin durfte ich jeweils dabei sein und assistieren, wenn es darum ging, mit den Familien ein Gespräch über ihre momentane familiäre, gesundheitliche und finanzielle Situation zu führen, welches stets schriftlich festgehalten wird. So hatte ich das Privileg, einen tiefen Einblick in das Leben der armen Bevölkerung zu erhalten.

 

Dabei wurde ich mit Lebensgeschichten und Situationen konfrontiert, die mir sehr nahe gingen. Man wird sehr bescheiden, wenn man Zeuge wird, mit wie wenig viele hier auskommen müssen. Die wirtschaftliche Lage in Ecuador ist problematisch und so fehlt es vielen an Arbeit. Das Geld ist knapp und reicht nur fürs Nötigste. Besonders berührten mich jene Familienschicksale, wo es noch ein Kind mit einer schweren Krankheit oder gar einer Behinderung zu versorgen gibt. Die Familienangehörigen geben sich tapfer, aber die Tränen, die in den Augenwinkeln manchmal glänzen, verraten ihren Schmerz und Kampf, den sie jeden Tag führen, um für die Familie zu sorgen.

 

Man fragt sich vielleicht manchmal, ob die Hilfe, die man durch Spendengelder leistet, auch wirklich ankommt und zu einer nachhaltigen Verbesserung beiträgt. Nun, hier kommt sie an, davon durfte ich in den vergangenen fünf Monaten Zeugin sein. Durch die Patenschaften wird viel dazu beigetragen, dass sich die Situation einer ganzen Familie verbessert, denn die finanzielle Unterstützung ist für alle Familienmitglieder eine grosse Entlastung.

 

Bevor allerdings eine Familie eine Patenschaft erhält, wird die Situation genau abgeklärt. Dass sich die Lage dadurch dann auch verbessert, wird durch die regelmässigen weiteren Besuche überprüft. Die Chancen, die die Familien durch die Spendengelder erhalten, werden genutzt. Die Patenkinder können so die Schule besuchen und studieren, was auch eine beruflich bessere Zukunft bedeutet.

 

Bisher war es üblich, dass das Patenkind gelegentlich einen Brief an seine Pateneltern in die Schweiz schrieb. Nebst dem Originalbrief erhielten die Paten auch eine Übersetzung vom Spanischen ins Deutsche. Seit einigen Wochen realisiere ich mit einem Mitvolontär nun ein neues Projekt: Anstelle eines Briefes wird ein kurzes Video mit den Patenkindern aufgenommen. Meistens findet dies gleich in ihrem Zuhause statt, so erhalten die Pateneltern auch gleich einen Einblick in das Leben von ihrem Schützling. Bereits durften wir mir den Videobotschaften einige Paten überraschen und freuen uns über das positive Echo.

 

So wie man sich in der Schweiz über eine Nachricht aus Ecuador freut, so ist die Freude auch hier gross, wenn ein Brief aus der Schweiz eintrifft, womöglich noch mit Fotos vom Land und den Pateneltern. Einige Kinder haben leider noch nie etwas von ihren Paten gehört. So möchte ich an dieser Stelle gerne darauf aufmerksam machen, dass die Kinder sich wirklich sehr über einen Kartengruss von ihren Paten freuen würden.

 

Ich fragte einst ein Mädchen, ob es denn wisse, wo die Schweiz sei? Sie verneinte. Ich setzte mich mit ihr vor den Computer, um ihr auf der Karte zu zeigen, wo ich herkomme. Das sei aber sehr weit weg, meinte sie. Ich zeigte ihr Bilder von der Schweiz. Sie machte grosse Augen und staunte nur noch über die liebliche Landschaft, die imposanten Berge, tiefblauen Seen, aber auch über die schmucken Bergdörfer und sehenswerte Städte. Dabei gefielen ihr besonders Fotos, die im Winter aufgenommen wurden.

 

Es schien mir beinahe, als fragte sie sich, weshalb man wohl von so einem schönen Land, wo es zudem allen so gut geht, überhaupt weg möchte und sei es nur um zu verreisen. Viele der Patenkinder würden wohl gerne einmal verreisen, ein anderes Land kennenlernen. Leider wird dies für viele ein Traum bleiben. Umso wertvoller scheint mir der Austausch zwischen ihnen und uns Volontären aus der Schweiz. Denn so viele Fragen wie wir an sie haben, haben sie auch an uns. So ist es für sie auch ohne reisen möglich, eine fremde Kultur kennenzulernen.

 

Ich ziehe meinen Hut vor diesen Menschen, die trotz ihrem Schicksal die Freude und die Dankbarkeit nicht verlernt haben. Davon können wir uns ein grosses Stück abschneiden.

 

Bildlegende

Bild 1: Videointerview mit einem Patenkind

Bild 2: Auf dem Weg zu einem Familienbesuch

Bild 3: Gespräch im Wohnzimmer einer Familie

Bild 4: Kleider werden meist draussen im Brunnen gewaschen