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05.06.2016 12:37 Age: 3 yrs

Juni 2016: Neuer Innenhof erhöht die Lebensqualität einer ganzen Familie

Muskelschwund: In Ecuador eine noch viel schrecklichere Diagnose als in der Schweiz. Lesen Sie, wie María Shuguli trotz dieser Krankheit ihre Rolle als Familienfrau und Mutter wahrnimmt, und wie Pro Pomasqui ihr Leben mittels einer Hausrenovation vereinfachen konnte.

 

von Jasmin Suleiman

 

 

María Shuguli ist 45 Jahre alt. Sie lebt mit ihrem Partner und ihren zwei Kindern in einem der hochgelegenen Teile von Pomasqui. Der Vater ihres mittlerweile 19-jährigen Sohns Jhohy hat sie noch während der Schwangerschaft verlassen, es besteht kein Kontakt zu ihm. "Wir haben ihn früher nicht gebraucht, so brauchen wir ihn heute erst recht nicht", fügt Jhony hinzu. An finanzielle oder anderweitige Unterstützung war gar nie erst zu denken. María Shugulis Partner und Vater ihrer vier Jahre alten Tochter Genesis leidet aufgrund eines Unfalls an einem mentalen Rückstand, unterstützt die Familie aber nach Kräften. Seit 5 Jahren sind sie ein Paar. Erst vor ein paar Monaten zog Familie Shuguli in das kleine Betonhaus, zuvor lebten sie jahrelang gewissermassen in einem Wellblechhäuschen - eine Geschichte, wie sie hier in der Umgebung kein Einzelfall ist.

 

Was María Shuguli zusätzlich das Leben erschwert ist ihre Krankheit. Sie leidet seit ihrem zweiten Lebensjahr an Muskelschwund. Konnte sie als junge Frau noch selbstständig gehen und schreiben, sind ihr diese Fähigkeiten heute verwehrt. Sie sitzt im Rollstuhl, an den Beinen und Füssen sind Schienen angebracht, ihre Hände und Finger kann sie nicht mehr bewegen. Doch der Kopf funktioniert einwandfrei. Wer mit ihr spricht, nimmt sofort den wachen Geist und die Stärke der auf den ersten Blick schwachen Frau wahr. Sie besuchte zwei Jahre lang die Universität, konnte das Studium aufgrund ihrer körperlichen Behinderung aber nicht beenden. Sie möchte gerne arbeiten. Doch wiederum erschwert ihr ihr physischer Zustand die Suche ungemein. Jetzt hegt sie den Wunsch, ein eigenes Geschäft zu starten.

 

 

Die Renovation unterstützt die ganze Familie

Die Schweizer Paten kennen Marías Geschichte. Als sie von der Möglichkeit hörten, den Innenhof des Betonhäuschens zu renovieren und damit ihre Lebensbedingungen zu verbessern, wollten sie sie umgehend dabei unterstützen. Die Nachricht wurde von der Schweiz nach Pomasqui an Direktorin Saskia Violeta Ayala Montesdeoca weitergegeben. Nach kurzer Zeit wurden bereits die notwendigen Masse zur Umsetzung der Renovation vorgenommen. Ein paar Wochen später war der Umbau fertiggestellt. Nochmals wenige Wochen später zu Besuch bei Familie Shuguli erstrahlt das Häuschen in neuem Glanz. Die ganze Familie hat den neuen Innenhof eingerichtet und mit viel Liebe zum Detail dekoriert. Eine Handvoll Blumentöpfe steht in einer Ecke, in der anderen das Häuschen der Hausente.

 

Für María Shuguli bedeutet der neue Innenhof mehr Bewegungsfreiheit. So kann sie heute eigenständig vom Hausinneren nach draussen gelangen, Wäsche waschen, Blumen giessen, ihre Tiere umsorgen. Damit werden auch ihre Liebsten entlastet. Die Bereicherung ist unverkennbar. Eine weitere Verbesserung ihrer Lebensumstände stellen die neuen Bein- und Fussschienen dar, welche der Arzt María vor kurzer Zeit angebracht hat. Sie ermöglichen ihr, wenigstens für kurze Zeit aus eigenen Kräften zu stehen.

 

Ein aussergewöhnlicher Intelligenzquotient, gepaart mit viel Einfühlungsvermögen

Jhony verfügt über denselben aufgeweckten Geist und die gleiche Stärke wie seine Mutter. Er wird seit seinem ersten Lebensjahr durch eine Patenschaft aus der Schweiz unterstützt. Seine schulischen Leistungen sind hervorragend, über Jahre hinweg langweilte er sich in der Schule, weil der Stoff zu leicht war. Vor kurzem schrieb er den in Ecuador üblichen und zwingend notwendigen Einstufungstest zum Start eines Studiums. Er erreichte 980 von 1'000 möglichen Punkten, was ein weit überdurchschnittlich gutes Ergebnis darstellt. Dies verschafft ihm die Möglichkeit, sein Wunschstudium zu absolvieren. Seine Wahl fiel auf das Sportlehrerstudium. Jhony besitzt neben einem aussergewöhnlichen Intelligenzquotienten auch eine hohe emotionale Intelligenz und viel Einfühlungsvermögen. So hilft er unter anderem Nachbarskindern, die Schwierigkeiten mit dem Schulstoff haben. "Wenn ich sehe, dass ich jemandem helfen kann, möchte ich dies tun", sagt er, "so, wie auch mir geholfen wurde." Kein Wunder, eifert seine kleine Halbschwester ihm bereits heute nach.

 

 

Bildlegende

Bild 1: María Shuguli wurden kürzlich Bein- und Fussschienen angebracht. Diese verhelfen ihr dazu, für wenigstens kurze Zeit selbstständig zu stehen.

Bild 2: Direktorin Saskia Ayala zu Besuch bei Familie Shuguli: Letztere lässt nochmals von ganzem Herzen für die zusätzliche Unterstützung aus der Schweiz danken.

Bild 3: Der renovierte Innenhof.

Bild 4: Patenkind Jhony Chusig mit seiner Mutter und seiner kleinen Halbschwester Genesis bei seiner Diplomfeier: Sie freuen sich riesig über seine Erfolge.