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05.06.2016 12:38 Age: 3 yrs

Juni 2016: "Hauptziel aller Umweltprojekte ist die Verbesserung der Umgebung"

Sammlung von Abfällen, Umweltbildung, Aufforstung, Gewächshäuser in Uyachul sowie weitere Teilprojekte: Das sind die Bestandteile des Umweltprojektes der Stiftung Sembrar Esperanza. Doch wie ist dieses Projekt überhaupt entstanden, und wie ist es, dort zu arbeiten?

 

von Jasmin Suleiman

 

Wer einmal durch Ecuadors Strassen geschlendert ist, weiss, dass die Umweltverschmutzung hier grösser ist als etwa in der Schweiz. Pomasqui und Umgebung bilden keine Ausnahme. So besteht das Hauptziel des Umweltprojekts der Stiftung darin, die Qualität der Umwelt zu verbessern. Letztes Jahr wurden unter diesem Ziel rund 900 Tonnen organische und nicht-organische Abfälle beseitigt, separiert und zur Weiterverarbeitung an hierauf spezialisierte Institutionen übergegeben. Das Hauptziel bleibt auch für dieses Jahr bestehen. Ein weiteres Bestreben bildet die Schaffung und Erhaltung von Arbeitsplätzen im Rahmen des Umweltprojekts für Ecuadorianer. Zu Bedingungen, unter welchen sie und ihre Familien gut leben können.

 

Daneben schliesst insbesondere das Teilprojekt der Abfallsammlung - auch MIRS (Manejo Integral de Residuos Solidos, etwa: „integrale Verarbeitung von Festabfällen“) genannt - das Ziel ein, die anderen, sozialen Projekte zu unterstützen. Ein Beispiel ist die Instandhaltung der Infrastruktur und der Pflege von Grünflächen im Rahmen der beiden Kindergärten. Das Teilprojekt MIRS verzeichnet derzeit ein Defizit. Durch die Einführung eines Aufzeichnungssystems der Arbeitseinsatzorte der Mitarbeiter wurde bereits ersichtlich, dass bis und mit Februar 28 Prozent der Arbeitsleistung in „projektfremde“ Aktivitäten floss. Dies relativiert das aktuelle Defizit.

 

Die Vielfalt an Subprojekten erhöht die Wirkung des Projekts

Das Umweltprojekt setzt sich aus fünf unterschiedlichen und voneinander unabhängigen Teilprojekten zusammen. Die Sammlung von Abfällen ist eines davon. Weiter zählen die Umweltbildung, die Gewächshäuser in Uyachul, die Aufforstung an öffentlichen Plätzen wie Strassen oder Schulen ebenso wie verschiedenste kleinere Projekte dazu. Zu Letzterem gehört etwa das Trinkwasserprojekt Niebli. Ein jedes der fünf Teilprojekte beinhaltet seine eigenen Zielsetzungen und Aktivitäten. Das Umsetzungsgebiet schliesst Pomasqui, San Antonio sowie Calacali ein. Beim MIRS geht es gar weiter, bis an die Grenzen der Bezirke Quito und Rumiñahui. Einzelne kleinere Projekte werden ebenfalls in dieser Umgebung umgesetzt. Insgesamt ist die stetige Erweiterung des Umsetzungsgebiets ein zusätzliches Ziel.

 

Doch welche Aktivitäten beinhalten die einzelnen Teilprojekte nun genau? Im Rahmen des MIRS werden täglich, von Montag bis Freitag, drei Tonnen rezyklierbare Abfälle gesammelt. Im Durchschnitt stammen 50 Prozent von Strassenabfällen, die anderen 50 Prozent von Institutionen, mit denen eine Dienstleistungsvereinbarung besteht. Letztere sind insbesondere wichtig, weil sie für die Abholung ihrer Abfälle bezahlen. Durch den Fall des Ölpreises sind auch die Preise zur Abholung der einzelnen Materialien gesunken. Die Zuversicht auf einen baldigen Anstieg und damit wieder steigender Einnahmen ist gross. Anschliessend wird die Sammlung in den Lagerräumen des Umweltprojekts in neun Kategorien separiert. Im Einzelnen sind dies Karton, gemischte Verbindungen, gemischtes Papier, weisses Papier, Duplex, Glas, Metall, Glasstoffe und Plastikflaschen. Nach deren Aufteilung werden die Materialien weiterverarbeitet und im Anschluss an hierauf spezialisierte Institutionen verkauft, da die Stiftung selbst über keinen abschliessenden Prozess verfügt.

 

Weiter beinhaltet die Umweltbildung das Unterrichten von Schülern über das stiftungseigene Recyclingsystem. Dies geschieht mittels Besuchen in Bildungsinstitutionen, wobei das Umweltprojektteam von einer Theatergruppe unterstützt wird. Zusätzlich zu diesen Besuchen ist der Umweltpfad durch die zur Stiftung gehörende Grünlandschaft Teil der Umweltbildung. Jedes Jahr wird er von Mai bis August von rund 1'000 Kindern besucht. Die Kosten betragen drei Kilogramm Abfall pro Besucher, womit jährlich drei Tonnen zusätzlicher wiederverwertbarer Abfall gesammelt werden. Als Drittes umfasst ein Teilprojekt den Bau und die Instandhaltung der Gewächshäuser im hochgelegenen Uyachul, ebenso wie die wöchentliche An- und Rücklieferung der daraus resultierenden Ernte an Bio-Gemüse.

 

Schliesslich wird die Aufforstung von öffentlichen Flächen zweimal jährlich durchgeführt. Einmal im März und April, das zweite Mal im Oktober und November. Es handelt sich hier um die Regenmonate, die das Gedeihen der Pflanzen immens unterstützt. Aktuell stehen 15'000 Pflanzen zum Anbau bereit. Die jeweilige Anbaustelle wird durch die Nachfrage der Stadtquartiere definiert. Es gilt dabei die Vereinbarung, dass die Stiftung die Pflanzen zur Verfügung stellt. Im Gegenzug übernehmen die Stadtquartiere die Pflege des Anbaus und geben überdies ihre rezyklierbaren Abfälle an die Stiftung weiter.

 

Eine wirkungsvolle Zusammenarbeit zwischen Ecuador und der Schweiz

Seinen Anfang nahm das Umweltprojekt vor knapp 14 Jahren. Damalige Volontäre aus der Schweiz unternahmen in Zusammenarbeit mit den Stiftungsmitarbeitern die ersten Schritte. Die Sammlung von Abfällen und die Suche von Institutionen zu einer potenziellen Zusammenarbeit waren die ersten Aktivitäten. 2008 formte Stefan Huber das Umweltprojekt in seine jetzige Struktur. Zielsetzungen wurden festgelegt und Aktivitäten definiert. Ausserdem erfüllt das Projekt sämtliche Bedingungen und Richtlinien Ecuadors wie auch der einzelnen Bezirke und Ortschaften, die ein einwandfreies Arbeiten möglich machen. Heute ist Edwin Javier Quinchiguano Leiter des Gesamtprojekts. Er und fünf ecuadorianische Mitarbeiter bilden das Projektteam, wobei sie für einzelne Aktivitäten Unterstützung von externen Arbeitskräften erhalten. So unterstützten beispielsweise Bauarbeiter das Team bei der Fertigstellung einiger Bauten. Ein anderes Beispiel ist die bereits erwähnte Theatergruppe, die im Rahmen der Umweltbildung mithilft.

 

Das Umweltprojektteam ist dankbar für die finanzielle Unterstützung aus der Schweiz. "Jeder Franken, jeder Rappen wird sinnvoll investiert", erläutert Edwin Javier Quinchiguano. Ebenso dankbar sind sie für die Schweizer Volontäre und Zivildienstler, die sie vor Ort tatkräftig unterstützen. Jene schätzen das Stiftungsteam und seine Leistungen ebenso sehr (siehe folgendes Interview).

 

 

Interview mit Volontär Oliver Wenzcel und Zivildienstabsolvent Reto Heimberg

Die beiden Schweizer waren je ein knappes halbes Jahr in Pomasqui im Umweltprojekt tätig. Reto Heimberg beendete seinen Einsatz Anfang März, Oliver Wenzcel Ende April.

 

Wie seid ihr auf die Stiftung Pro Pomasqui Schweiz und insbesondere auf das Umweltprojekt gestossen?

Reto Heimberg (RH): Über die Datenbank an Auslandeinsatzstellen des Zivildienstes in der Schweiz. Ich kannte die Stiftung vorher so noch nicht.

Oliver Wenzcel (OW): Mir ging es gleich. Während meiner Stellensuche bin ich über ein Stellenportal von Nichtregierungsorganisationen auf die Stellenanzeige von Pro Pomasqui Schweiz gestossen.

 

Was waren die konkreten Aufgabe und Ziele eurer Einsätze?

RH: Die Erstellung einer Kosten-Nutzen-Analyse des Teilprojekts MIRS, gezielt anhand des Untersuchungsbeispiels der Abfallsammlung in Calacali. Dieses liegt etwas weiter entfernt und die Sammelmenge ist vergleichsweise geringer. Daneben galt es, Optimierungsmöglichkeiten des MIRS ausfindig zu machen. Die Analyse machte dies sehr gut möglich.

OW: Am Anfang standen mir mehrere Aufgabenmöglichkeiten offen. In kurzer Zeit wurde klar, dass meine Hauptaufgabe in der Suche von Unternehmen zur potenziellen Zusammenarbeit besteht.

 

Wie sah euer Arbeitsalltag aus?

RH: Entweder begleitete ich das Team auf der Sammeltour, arbeitete selbstständig an meiner Analyse oder nahm mit Edwin Javier Quinchiguano Besuchstermine bei Institutionen wahr.

OW: Ich war vielfach alleine im ganzen Bezirk Quito unterwegs und ging von Unternehmenstür zu Unternehmenstür.

 

Warum liegt euch das Teilprojekt MIRS persönlich am Herzen?

RH: Durch mein Studium und meinen frühere Ausbildung interessiert mich das Thema Recycling sehr. Umso spannender fand ich es, dabei in einem Land mitzuhelfen, für welches diese Thematik vergleichsweise neu ist.

OW: Als ehemaliger Landschaftsgärtner geht es mir ebenso. Zusätzlich gefällt mir die Vielfalt an Arbeitsmöglichkeiten, die der Tätigkeitsbereich im Recycling mit sich bringt.

 

Was war euer persönliches Highlight?

RH: Speziell gefreut hat mich jetzt gegen Ende hin, zu sehen, dass die Schlussfolgerungen aus meinen Analysen auch tatsächlich umgesetzt werden.

OW: Die Freundlichkeit und Offenheit der Menschen hat mich beeindruckt und enorm gefreut. Sie hat mir meine Tätigkeit erleichtert.

 

Gab es auch negative Punkte?

RH: Nichts Gravierendes. Was ich etwas schade finde, ist der Umstand, dass es zur Umsetzung von Aktivitäten öfters Kontrollen braucht. Wird regelmässig instruiert und nachgehakt, geschieht auch etwas. Andernfalls ist es gut möglich, dass das eine oder andere vergessen geht.

OW: Ich teile dieselbe Erfahrung. Es entstehen teils Leerläufe und Wartezeiten, die im Grunde nicht notwendig wären.

 

Wie war die Zusammenarbeit mit dem Team des Umweltprojekts?

RH: Sehr gut. Es sind überaus herzliche und hilfsbereite Menschen. Nur die Zusammenarbeit an und für sich könnte teils speditiver sein. (lacht)

OW: (lacht) Ebenso.

 

Hattet ihr neben eurem Einsatz genügend Zeit, das Land Ecuador zu erkunden?

RH: Ja, auf jeden Fall. Und Ecuador ist unglaublich vielfältig. Ich lernte am Strand surfen, nahm an Dschungeltouren im Amazonas teil und unternahm Wanderungen in der Hochlandschaft.

OW: Ich bin mit meiner Frau und meinen beiden Töchtern hier. Reisen gestaltete sich für mich schwieriger. Quito ist für mich Ecuador. Für mich machen es aber insbesondere die Menschen aus.

 

Welche Tipps möchtet ihr zukünftigen Volontären und Zivildienstlern mit auf den Weg geben?

RH: Geniesst es! (lacht) Selbstverständlich jeder auf seine Weise, aber nutzt die Zeit.

OW: Dem kann ich nur zustimmen. Die Zeit vergeht wie im Flug. Weiter finde ich es wichtig, dass man den Menschen nicht einfach seine Ideen aufzwingt. Kommunikation ist das A und O.

 

Bildlegende

Bild 1: Umweltprojektleiter Edwin Javier Quinchiguano mit Volontär Oliver Wenzcel und Zivildienstabsolvent Reto Heimberg: Ein halbes Jahr Zusammenarbeit bescherte allen Beteiligten wertvolle Erfahrungen.

Bild 2: Umweltbildung in einer öffentlichen Schule in San Antonio: Die Theatergruppe und das Umweltprojektteam unterrichten die Schüler über das stiftungseigene Recyclingsystem.

Bild 3: Bereit zum Einpflanzen: Im Moment stehen rund 15'000 Pflanzen für ihren Einsatz bereit.

Bild 4: Das Trinkwasserprojekt Niebli: Mitarbeiter des Umweltprojekts und Volontäre halfen mit, dieses zu realisieren.